Albrecht Dürer

Albrecht Dürer wurde am 21. Mai 1471 in Nürnberg als drittes Kind des Goldschmieds Albrecht Dürer geboren. Nachdem er 1484 - 1486 das Goldschmiedehandwerk bei seinem Vater gelernt hatte, ging er bei dem Maler Michael Wolgemut in die Lehre. Von 1490 bis 1494 war er auf Wanderschaft in Freiburg, Straßburg, Colmar und Basel. 1494 kehrte er nach Nürnberg zurück, heiratete Agnes Frey, und richtete 1495, nach einer Reise nach Venedig in Nürnberg eine eigene Werkstatt ein. 1505 reiste er nochmals nach Italien und erlernte dort in Bologna das perspektivische Zeichnen. 1520/21 machte er eine Reise in die Niederlande. Albrecht Dürer starb am 6. April 1528 in Nürnberg.

Dürer ist vor allem als großer Grafiker bekannt, jedoch hat er sich in seinen drei veröffentlichten Büchern über Geometrie, Befestigungskunst und menschliche Proportionen auch mit den theoretischen Grundlagen seiner Kunst auseinandergesetzt. Dabei ist er insbesondere in der darstellenden Geometrie bis an die Grenzen der damals bekannten Mathematik vorgestoßen und hat bedeutende Impulse für die Arbeiten Galileis und Keplers geliefert.


Mathematische Aspekte im Werk Dürers


Der Kupferstich Melencolia I von 1514 enthält an mathematischen Motiven u. a. ein magisches Quadrat und ein abgeschrägtes Rhomboeder.


In der Underweysung der messung mit dem zirckel un richtscheyt in Linien ebenen und gantzen corporen, durch Albrecht Dürer zusammen gezogen und zu nutz allen kunstliebhabenden mit zugehörigen figuren in truck gebracht im jar MDXXV von 1525 (rev. Ausgabe 1538) (Lateinische Auflagen: 1532, 1535 und 1605) werden in vier Büchern u. a. die folgenden Themen behandelt:

Erstes Buch: Probleme der linearen Geometrie, von der Geraden bis zu den algebraischen Kurven wie Spiralen, Muschellinien und Epizykloiden. Erste Erörterung der Kegelschnitte in deutscher Sprache.

Zweites Buch: Zweidimensionale Figuren, (Näherungs-)Konstruktionen regelmäßiger n-Ecke, Quadratur des Kreises.

Drittes Buch: Architektur, Dekoration und Typographie, speziell eigene Gestaltung gotischer Buchstaben.

Viertes Buch: Stereometrie, Platonische Körper, sieben (bzw. 1538: neun) archimedische Körper und eigene konstruierte Körper, Erfindung von Netzabwicklungen, Würfelverdopplung, Winkeldreiteilung und Quadratur des Kreises, perspektivische Darstellungstechniken.

Insbesondere zur praktischen Durchführung der zentralperspektivischen Darstellung sind die folgenden Holzschnitte aus der Underweysung von Bedeutung:

Der Zeichner des sitzenden Mannes: Die dargestellte Methode der perspektivischen Abbildung war bereits Alberti, Leonardo da Vinci und Bramantino bekannt.

Der Zeichner der Kanne: Die dargestellte Methode stammt von Jacob Keser.

Der Zeichner des liegenden Weibes: Die dargestellte Methode der perspektivischen Abbildung war bereits Alberti, Leonardo da Vinci und Bramantino bekannt.

Der Zeichner der Laute: Die dargestellte Methode der perspektivischen Abbildung ist eine Erfindung Dürers.


Vier Bücher von menschlicher Bewegung von 1528
(Hierin sind begriffen vier Bücher von menschlicher Proportion, durch Albrechten Dürer von Nürenberg erfunden und beschriben, zu nutz allen denen, so zu diser kunst lieb tragen. Gedruckt bei Hieronymus Andrä Rösch, Nürnberg 1528. Lateinische Ausgabe: De Symmetria Partium in Rectis Formis Humanorum Corporum Libri) Zahlreiche Abbildungen

Erstes Buch: Proportionen von je fünf Typen männlicher und weiblicher Körper.

Zweites Buch: Proportionen von je acht weiteren Typen männlicher und weiblicher Körper.

Drittes Buch: Möglichkeiten der Variation der in den ersten beiden Büchern beschriebenen Typen, Typen von Kopfformen.

Viertes Buch: Studium der Bewegungen menschlicher Körper


Die Zeichnung Zwei Köpfe (facettiert) und der hl. Petrus von 1519 (11.5 x 19.0) nimmt mit der Annäherung der Oberfläche menschlicher Köpfe durch polygonale Flächen eine Methode moderner Computergrafik vorweg.