Johannes Müller, genannt Regiomontanus

Johannes Müller (oder in latinisierter Form Molitoris), der sich später nach seiner Geburtsstadt Regiomontanus nannte, wurde am 6.6.1436 in Königsberg/Franken geboren und starb am 6.7.1476 in Rom.

Schon mit 11 Jahren begann er 1447 ein Studium an der Universität Leipzig, das er 1450 an der Alma Mater Rudolfina in Wien fortsetzte. Dort schloß er Freundschaft mit dem Mathematiker und Astronomen Georg von Peuerbach (1423 - 1461), der wie er später an derselben Universität Magister artium wurde.

Im Jahre 1461 begleitete er den Kardinal Bessarion nach Rom und lebte und arbeitete dort in dessen Haus bis 1465 an verschiedenen wissenschaftlichen Werken.

Danach ist über seinen Aufenthalt zunächst nichts genaues bekannt, erst 1467 ging er an den Hof des ungarischen Königs Matthias I. Corvinus, wo er Berechnungen zu umfangreichen astronomischen Tafeln durchführte und auch astronomische Geräte baute.

Regiomontanus kam dann 1471 nach Nürnberg, wo er die erste Sternwarte Deutschlands, wenn nicht Europas einrichtete. Außerdem unterhielt er von 1472 bis 1475 eine für die damalige Zeit beispielhafte Druckerei, in der er vor allem selbst berechnete Kalender für Sonnnen-, Mond- und Planetenaufgänge und -untergänge druckte, sowie eine Werkstatt hauptsächlich zur Anfertigung astronomischer Geräte. Hier dürfte er auch Kontakt zu Martin Behaim (1459 - 1507) gehabt haben, der 1492/93 den ersten Erdglobus baute.

Im Herbst 1475 folgte er einem Ruf des Papstes Sixtus IV. nach Rom, um an einer Kalenderreform mitzuarbeiten. Während dieser Arbeiten ist er dann 1476 vermutlich an einer pestartigen Seuche verstorben.

Von den zahlreichen Schriften, die Regiomontanus verfaßte sind besonders hervorzuheben: die Epitome (1462), ein Handbuch der Sternkunde, das einen Auszug aus dem Almagest von Ptolemäus war und eine erhebliche Verbesserung des antiken Vorbildes darstellte, die Dreieckslehre (1462), ein fünfbändiges Werk über ebene und sphärische Trigonometrie, das ebenfalls erstmals das Wissen griechischer und arabischer Wissenschaftler erweiterte, die Tabulae directionum (1467), Planetentafeln, die selbst berechnete Tabellen für Sinus- und Tangenswerte sowie die Sonnendeklination enthielten, die Tabula primi mobilis (1468), die eine verbesserte Sinustafel enthielt, die Kometenschrift (1472), in der er u. a. die Anwendung des von ihm konstruierten Gradstockes oder Jakobstabes bei der Bestimmung des Durchmessers von Kometen beschrieb, und die Ephemeriden (1474), ein für die Jahre 1475 bis 1506 berechnetes nautisches Tafelwerk, das u. a. Christoph Columbus auf seinen Entdeckungsfahrten benutzte.

Auch als Hersteller astronomischer Geräte war Regiomontanus erfolgreich. So baute er bereits 1457 sein erstes Astrolabium, 1465 eine Reisesonnenuhr für Papst Paul II und ebenfalls während seines ersten Aufenthaltes in Rom ein Astrolabium für Kardinal Bessarion. Ein weiteres Astrolabium mit verbesserter Konstruktion baute er 1468 in Ungarn, wo er auch ein sogenanntes Türkengerät anfertigte, ein "Gerät zur Erlernung der Lage der drei Hauptkreise Horizont, Äquator und Tierkreis und zum Einstellen eines Gestirnes gemäß seiner Länge und Breite". Schließlich wurden in den Jahren von 1471 bis 1475 in seiner Nürnberger Werkstatt zahlreiche weitere astronomische Geräte hergestellt. Die Arbeit an einem Astrarium, einer Planetenuhr, konnte er jedoch wegen seiner Abreise nach Rom nicht mehr beenden.


Eine ausführliche neuere Biografie ist das Buch von Rudolf Mett, Regiomontanus - Wegbereiter des neuen Weltbildes, das 1996 in der Reihe Einblicke in die Wissenschaft des Teubner-Verlages erschien.