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Im Frühjahr 2002 verkündete ich die Prognose, dass zum Jahresende
der Anteil der ausländischen 1-Euro-Münzen 10% betragen würde.
Ich hatte erwartet, dass 10% der in deutschen Portemonnaies
vorhandenen 1-Euro-Stücke ausländischer Herkunft sein würden,
wobei die einzelnen Länder in Häufigkeiten auftreten würden, die
der Enge der touristischen und Reise-Kontakte zu Deutschland
entsprechen.
Wie jeder weiß, ist diese Prognose nicht eingetreten. Ich hatte
offensichtlich zu sehr wie ein Naturwissenschaftler gedacht und
den Sammeltrieb des Menschen und speziell das Münzhorten
nicht berücksichtigt.
Heute gehe ich davon aus, dass tatsächlich
so viele ausländische Münzen wie erwartet nach Deutschland kamen,
dass sie aber nicht im Umlauf blieben, sondern zu einem kleinen
Teil bei richtigen Münzsammlern landeten, überwiegend aber
Münzhortern in die Hände fielen.
Da die Deutsche Bundesbank
eine ausreichende Bargeldversorgung sicher stellt, kamen neue, meist deutsche Münzen
in Umlauf, was dazu führte, dass der im Verkehr befindliche Ausländeranteil klein blieb und
zeitweise, im Herbst 2002, offenbar sogar abnahm.
Zu dieser Meinung führt mich der sehr interessante Bericht
der Deutschen Bundesbank vom März 2003
"Münzgeldentwicklung in Deutschland. Eine empirische Studie
über den Münzgeld- und Banknotenumlauf in der Bundesrepublik
Deutschland mit einer Prognose der Münzgeldnachfrage bis 2007".
Siehe die Pressenotizen der Deutschen Bundesbank,
den Beitrag "Münzgeldentwicklung in Deutschland".
Danach befanden sich Ende April 2002, zum Zeitpunkt des geringsten
Standes des Münzumlaufs ( = Menge des von der Bundesbank ausgegebenen Hartgelds)
nach der Einführung des Euro, Münzen mit einem Wert
von rund 2,9 Mrd. Euro im Umlauf; darunter waren 700 Millionen 1-Euro-Stücke.
Dieser Wert wird von der Deutschen Bundesbank als vollständig ausreichend für
den normalen Geldverkehr (das Bezahlen und Geldwechseln) angesehen.
Ende März 2003 war der Wert der im Umlauf befindlichen Münzen auf
3,65 Mrd. Euro gestiegen, bedingt durch
verstärkte Münznachfrage. Als ausschlaggebend für dies Anwachsen wird
der fortschreitende Aufbau von Münzhorten angesehen.
Am 22. Juni las man in den Zeitungen, dass der Metro-Konzern lastwagenweise
Kleingeld aus Österreich importiert, weil es in Deutschland zur Mangelware wird.
Als Gründe für die Verknappung wird wiederum das Münzhorten genannt. "Angesichts
der Hektik an den Kassen würden immer häufiger Scheine zum Bezahlen benutzt, statt
mühselig den genauen Betrag aus dem Portemonnaie zu suchen", soll die Bundesbank
geäußert haben. Und zu Hause gehen dann die Münzen in das Sparschwein oder den Strumpf.
Ich denke, dass sich die Münzhorter über den unverhofften Zustrom ausländischer
Münzen freuen werden und noch mehr horten werden.
Es gab ja immer Münzhorte, z. B. in Form von Hartgeldbeständen in den
Haushalten, von Kaffeekassen, Kindersparbüchsen oder klingelnden Männerhosentaschen.
Mit der Einführung des Euro mussten die alten Münzhorte aufgelöst werden,
und ab Januar 2002 konnte damit begonnen werden, neue aufzubauen.
Die Deutsche Bundesbank meint, dass sich gegenüber der DM-Zeit
der Anteil der Horter leicht erhöht hat. Nach wie vor ist sicherlich das Sparen das
Hauptmotiv der Horter. Viele Leute sammeln jetzt aber auch, meist mit dem Ziel,
einen kompletten Satz aller europäischen
Münzen zusammenzutragen.
Mir erscheint es als einleuchtend, dass man, wenn man schon Münzen
hortet, dann bevorzugt ausländische wegen ihrer Auffälligkeit,
zumal es ja wegen der Leichtigkeit, sie in den Verkehr zu bringen,
keinerlei Risiko gibt. So besteht jetzt die Tendenz, dass die ausländischen
Euro-Münzen die neuen Schlafmünzen werden. Wenn eines Tages der Euro
wieder abgeschafft werden sollte, werden diese Münzen bei den Banken
säckeweise abgegeben werden.
Die Deutsche Bundesbank schätzte mit Hilfe eines mathematischen
Prognosemodells auf der Grundlage einer Befragung der Bevölkerung
die Anzahl gehorteter 1-Euro-Münzen für Mitte 2003 als etwa 350
Millionen Stück. Das werden nicht alles ausländische Münzen sein.
Ich versuche jetzt meinerseits eine grobe Abschätzung der Anzahl der gehorteten ausländischen
1-Euro-Stücke.
Im Juni 2002 betrug nach der Ergebnissen von Eurodiff der Anteil der
ausländischen Münzen in Deutschland etwa 5%. Sicher haben die Euromelder
etwas zu große Zahlen gemeldet; viele Münzen werden aber in Horten oder Sammlungen
verschwunden sein, bevor sie ein Euromelder zu sehen bekam.
Damals waren
etwa 800 Mill. 1-Euro-Stücke im
Umlauf. Gehen wir also von 40 Mill. hereingekommenen Ausländern aus.
Nehmen wir an, dass sich der Zustrom so auch fortgesetzt hat, durch die
Urlaubszeit sogar noch etwas verstärkt, so dass Ende 2002 insgesamt etwa 100 Mill.
ausländische 1-Euro-Stücke in Deutschland waren. Zu dieser Zeit hatte
die Deutsche Bundesbank mehr Münzen ausgegeben; insgesamt waren etwa
900 Mill. "im Umlauf", darunter auch die in den Horten und Sammlungen. Wenn nun
von der Euromeldern Ende 2002 auch nur 5% Ausländer wahrgenommen
wurden, muss wohl der Rest in den Horten und Sammlungen verschwunden sein. Das sind
etwa 55 Mill. Stück.
Ich hatte Ende 2002 vermutet, dass jeder 10. Deutsche Euro-Münzen
sammelt und mittlerweile jeder 10 ausländische 1-Euro-Stücke beisammen
hat. Damals kam ich auf 80 Mill. gesammelte Münzen. Nun, vielleicht war
meine Einschätzung des Erfolgs der Sammler und Horter etwas zu optimistisch.
Übrigens sind wir Deutschen offenbar besonders aktiv beim Sammeln und Horten
der Euro-Münzen. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank lagen seit Mai 2002
die monatlichen Zuwächse des deutschen Münzgeldumlaufs im Durchschnitt
mehr als doppelt so hoch wie in der Eurozone ohne Deutschland. Aufgrund
dessen erhöhte sich der deutsche Anteil am Münzumlauf der
Eurozone, der in den ersten Monaten nach der Bargeldeinführung
merklich geschrumpft war, erheblich.