Geschichte des Chaocipher

J. F. Byrne


Lange blieb Chaocipher ein Geheimnis. Ihr Erfinder John Francis Byrne, der sie bereits 1918 entwickelte, hielt den Algorithmus für nicht zu brechen. Er glaubte, dass die von ihm entwickelte Maschine von Kaufleuten für die geschäftliche Kommunikation, von Bruderschaften und von sozialen oder religiösen Einrichtungen verwendet werden könnte. Tatsächlich konnte er William F. Friedman, einen der führenden Kryptologen seiner Zeit, für sein System interessieren. Er forderte Byrne auf, ihm chiffrierte Botschaften zu übermitteln, damit er versuchen könne, das System mit ihm bekannten Methoden zu entschlüsseln. Da Byrne aber nie die gefordeten Botschaften sandte, verlor er bald die Glaubhaftigkeit.

"Sie war damals ihrer Zeit voraus und es ist wahrscheinlich auch nicht möglich, sie ohne weiteres Material zu entschlüsseln", so äußert sich Moshe Rubin, der israelische Software-Entwickler, dem es gelang, im Jahr 2010 John Francis Byrnes Schwiegertochter, Patricia Byrne, zu überzeugen, die hinterlassenen Unterlagen des Erfinders der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. In Folge dessen spendete sie das Material dazu an das National Cryptologic Museum in Ft. Meade (USA) und beinahe 100 Jahre später wird das Geheimnis des genialen Codes dann doch noch gelüftet.

Bis dahin lag das Material dazu aber in einem Karton versteckt: Zwei Schachteln mit Papieren und persönlicher Korrespondenz von Byrne, zwei Ausgaben von Silent Years, ein großes hölzernes Demonstrationsmodell, fünf Blaupausen für eine Chaocipher-Maschine - und Notizen, aus denen Moshe Rubins die Funktionsweise der Maschine rekonstruieren konnte.


Im Bild rechts ist John Francis Byrne (Mitte) gemeinsam mit seinem befreundeten Schriftsteller James Joyce (rechts) und dem späteren Politiker George Clancy zu sehen.