Internet-Projekt für Theoretische Mathematik

Spiralen in Naturwissenschaft, Technik und Kunst

Dieses Dokument wurde während der Pojektwoche duch Susanne Helbig, Kareen Henkel und Jan Kriener des Beruflichen Gymnasiums für Technik "Julius Weisbach" erstellt.

3. Anwendung und Vorkommen von Spiralen

3.2 Spiralen in der Kunst

Drehstrudel von Escher Als Ornamente sind Spiralen seit jeher beliebt. Es wird sogar behauptet, dass es in der kulturellen Entwicklung des Menschen von der Steinzeit bis heute keine Epoche gäbe, in der sich die Spirale nicht als Gestaltzeichen findet. Der bedeutenste Grund für das reichliche Vorkommen der Spirale in der Kunst sind wahrscheinlich die zahlreichen Vorbilder in der Natur. Auch durch die Gestaltung von Bewegungen, zum Beispiel beim Zeichnen oder beim Tanz, drengt sich die Spiralform oft regelrecht auf. Es besteht auch die Theorie, dass in den töpfernden Kulturen die Spirale im kreativen Umgang mit der rotierenden Arbeitsfläche entdeckt worden sei.

Besonders zahlreich nutzte man die Formen von Spiralen im antiken Griechenland. Das spiegelt sich unter anderem in der Ionischen Säule wider, deren Kapitell beidseitig spiralförmig zuläuft. Es treten nicht nur archimedische Spiralen, sondern auch solche, die einer logarithmischen nahe kommen, auf.

In Mosaiken findet man meist Spiralen in Form periodischer Wellenmuster, aber auch Figuren, die dem Fruchtstand einer Sonnenblume ähneln und somit zahlreiche logarithmische Spiralen beinhalten, treten auf.

Selbstverständlich lassen sich auch auf dem Gebiet der Malerei eine Vielzahl an Spiralen finden. Viele berühmte Künstler setzten sich mit diesen Formen näher auseinander, wie Leonardo da Vinci, der nicht nur in seinen Bildern, sondern auch bei seinen technischen und architektonischen Arbeiten Schraubenlinien und Spiralen nutzte.

Albrecht Dürer gibt in seiner "Unterweisung der Messung" für die archimedische Spirale eine Kreisbogennäherung und eine punktweise Konstruktion an. Er nutzt die archimedische Spirale unter anderem zum Entwerfen eines Bischofsstabes. Dürer befasste sich auch mit der konischen Spirale und mit solchen Spiralen, deren Radien nach außen hin immer stärker anwachsen.

Loxodrom von Escher Neben Vincent van Gogh und Paul Klee beschäftigte sich auch M. C. Escher mit den Spiralformen. Seine Graphiken stehen in enger und bewusster Verbindung zur Mathematik. Eschers bekanntesten Darstellungen in diesem Zusammenhang sind die Kugelloxodrome.

Die Spirale tritt aber nicht nur in der "großen Kunst" auf, auch in der Filmetechnik, in Comics und im Alltag trifft man auf die beliebte Ornamentik.

Wie sich oft schon in der Kunst widerspiegelt, besitzt die Spirale auch einen mystischen Charakter. Sie hat, im Gegensatz zur Geraden, die zielstrebiges und kompromissloses Fortschrittsdenken symbolisiert, etwas faszinierend Verschwenderisches. Wer einer Spirale folgt, dreht sich nicht im Kreise, sondern kommt langsam aber sicher voran, in dem er Bekanntes berücksichtigt und von immer höherem Standpunkt betrachtet. Sie steht als Sinnbild von Wandel und Wiederkehr für viele Entwicklungsprozesse im Leben oder auch für das Leben selbst. Die spiralige Form kann auch als Symbol für die Vergangenheit und Zukunft, für das Werden und Vergehen gedeutet werden. In einigen Völkern ist sie als Körperbemalung oder Tätowierung ein wichtiger Bestandteil von Ritualen, die zur Vorbereitung für den Weg ins Jenseits dienen.

zurück zum Inhalt


Quelle: Johanna Heitzer 'Spiralen - Ein Kapitel phänomenaler Mathematiker ', Klett Verlag