Tietze, Heinrich

Heinrich F. F. Tietze wurde 1880 in einem kleinen Dorf am Hang des waldigen Rosaliengebirges, 50 km südlich Wien geboren als Sohn des Geologen Emil Tietze und mütterlicherseits Enkel des Wiener Geologen Franz von Hauer. Er studierte Mathematik - anfangs übrigens mit dem Gedanken, Astronom zu werden - an den Universitäten Wien, München und Göttingen; er lehrte Mathematik seit 1908 als Privatdozent in Wien, dann als Professor von 1910 - 1919 (mit Unterbrechung durch den Krieg) an der Deutschen Technischen Hochschule in Brünn, 1919 - 1925 an der Erlanger und danach an der Münchner Universität. Noch in Wien hielt er mit H. Hahn einen Zyklus volkstümlicher Universitätskurse über höhere Mathematik ab, der erstmals 1911, dann als Buch 1925 erschien. Mit L. Vietoris schrieb er einen Artikel über Topologie für die mathematische Encyklopädie. Er war 1914 - 1918 in der österreichischen Armee an der Front. Immer, auch schon bei seiner Doktor-Dissertation über eine Klasse der nach E. H. Moore "transzendental-transzendent" genannten Funktionen (1904) ist Tietze bei seinen mathematischen Untersuchungen gewissermaßen Eklektiker gewesen, und so liegt es ihm weniger, sich jeweils umfangreichen, gerade im Brennpunkt des Interesses stehenden und von vielen Seiten bearbeiteten Theorien zuzuwenden. Ob es sich um den kombinatorischen Aufbau der Topologie handelt, um Kettenbrüche, um Deformationen von Flächen in sich oder um stetige Erweiterungen stetiger Funktionen, ob um den Orientierungsbegriff, um konvexe Figuren, metrische Konstruktionen mit Zirkel und Lineal oder anderen Instrumenten, um symmetrische Funktionen und komprimierte Gitterpunktmengen oder um Fragen des Würfelns mit verschieden gestalteten Würfeln - allemal bevorzugt er anscheinend frei gewählte Themen abseits der belebtesten großen Straßen - gleichsam schattigere Plätze, die nicht oder noch nicht vom starken Verkehr erreicht und überflutet sind.