Am Mittwoch wird der Rabbi naß

Der alte Kestler ist tot. Er ist nicht an Altersschwäche gestorben und auch nicht an der kleinen Infektion, die er sich geholt hatte. Todesursache war ein allergischer Schock, ausgelöst durch Einnahme eines Penicilinpräparats. Durch die Schuld des Arztes, behauptet Joe Kestler, der Sohn des Verstorbenen. Dr. Cohen wußte genau, daß der Alte kein Pinicilin vertrug, und hätte keines verschreiben dürfen. Das habe er auch nicht getan, wehrt sich Dr. Cohen. Wegen der Penicilin-Überempfindlichkeit des Patienten habe er ein Präparat aus der Tetracyclinreihe verordnet - 20 rosafarbene Pillen, von denen er viermal täglich eine hätte einnehmen sollen. Die nach dem Tod sichergestellten Pillen sind aber nicht rosa, sondern einwandfrei orangefarben - und es handelt sich bei ihnen auch nicht um das verschriebene Präparat, sondern um Penicilintabletten, wie Dr. Cohen mit heimlicher Erleichterung erfährt. Es ist für einen Arzt immer schlimm, einen Patienten zu verlieren; ihn aber durch eine Fehlbehandlung zu verlieren, während sich die Leute zutuscheln, daß der Doktor es an Sorgsamkeit habe fehlen lassen, weil der alte Kestler ihn damals wegen des dummen Streits vor den Kadi gezerrt hatte... Dr. Cohen ist ehrlich erleichtert. Aber wenn der Fehler nicht bei Cohen gelegen hat... Irgend jemand muß die Pillen vertauscht haben. Unabsichtlich, hofft Polizeichef Lanigan, der auch als Patient von Dr. Cohen die Entwicklung aufmerksam verfolgt hat. Irren ist menschlich, und an dem Abend, als das Medikament abgeholt wurde, hatte wegen des Unwetters in der einzigen Spätdienst-Apotheke eine hektische Betriebsamkeit geherrscht. Doch jeder, der etwas davon versteht, versichert Lanigan, daß Apotheker viel zu sorgsam sind, um einen Fehler zu begehen. Wenn die Tabletten aber nicht zufällig vertauscht worden sein können, dann... Polizeichef Lanigan sieht die Zeit gekommen, einmal "ganz zufällig" bei Rabbi Small vorbeizugehen.