Denkt Gott symmetrisch?

"Gott treibt stets Geometrie", soll Platon gesagt haben. Stewart und Golubitsky zeigen auf, was er damit gemeint haben könnte: Symmetrie ist allgegenwärtig in der Natur, sie scheint ein grundlegendes Prinzip bei der Bildung von Mustern zu sein. Im Gegensatz zu herkömmlichen Symmetriebüchern betrachten die Autoren Symmetrie jedoch nicht als statisches, sondern als dynamisches Phänomen - zur Symmetrie gehört die Symmetriebrechung. Die grundlegende Fragestellung ist: Woher kommt Symmetrie? Wohin ist sie gegangen? Unter diesem Aspekt untersuchen Stewart und Golubitsky Symmetrie in allen Bereichen der Natur: Symmetrie in der Mathematik und Geometrie, die Symmetrie von Kristallen, Symmetriebrechung in Raum und Zeit. Darüber hinaus gehen sie der Frage nach, warum Galaxien spiralförmig sind und untersuchen dabei Symmetrie und Symmetriebrechung in der Entwicklung des Universums, aber auch ihre Rolle in der Biologie wie in der neuesten Physik. Einen ganz neuen Aspekt stellt der Zusammenhang von Symmetrie und Dynamik dar, die Frage, wie aus chaotischen Prozessen symmetrische Muster entstehen. Dieser neuen Problemstellung in der Chaosforschung wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Aus der Vielfalt der behandelten Bereiche ergibt sich von selbst die Wichtigkeit von Symmetrie und Symmetriebrechung als strukturbildendes Prinzip in der Natur. Denkt Gott also symmetrisch? - Diese Frage beantworten die beiden Autoren wie Platon uneingeschränkt mit ja.

Der symmetrisch denkende Gott ist ein Pantheist, der sich immer die zur Gelegenheit passende Sorte Geometrie zu eigen machte. Er verwendete die Euklidische Geometrie, um die Gestalt Ihres Körpers symmetrisch zu machen, die konforme Geometrie, um Ihre visuellen Sinne in Ihr Gehirn abzubilden, die Differentialgeometrie, um Muskelfasern durch Ihr Herz zu spannen, die Riemannsche Geometrie, um das Universum und die Gravitation zu erzeugen, und die symplektische Geometrie, damit es Licht werde.

Diesem symmetrisch denkenden Gott sind Stewart und Golubitsky hart auf der Spur. Die verschiedensten Bereiche der Natur werden auf Symmetrien untersucht - doch stets leitet ein Grundprinzip die Darstellung und unterscheidet sie von anderen Symmetriebüchern: Symmetrie wird nicht als statisches Phänomen begriffen, vielmehr gehört zur Symmetrie auch die Symmetriebrechung. Die Autoren befassen sich mit dynamischen Prozessen, in denen Symmetrie entweder zerstört oder erzeugt wird. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Verbindung von Chaos und Symmetrie gelegt, ein ganz neues Betätigungsfeld der Chaosforschung.

Ian Stewart, dem Publikum bekannt durch sein Erfolgsbuch Spielt Gott Roulette?, hat zusammen mit Koautor Golubitsky auch in diesem zweiten Band seiner populärwissenschaftlichen Werke zu grundlegenden Phänomenen der Natur sein Erfolgsrezept angewandt:

Er hat sein Thema umfassend und ungemein unterhaltsam abgehandelt. In klarer und leicht verständlicher Sprache, illustriert durch viele Beispiele aus der Natur, wird Symmetrie und Symmetriebrechung auch dem Laien nähergebracht.