Agnesi, Maria Gaetana

Maria Gaetana Agnesi lebte von 1718 bis 1799. Sie war die Tochter eines wohlhabenden Textilkaufmannes in Mailand. Dieser ließ seiner Tochter eine sehr gute Erziehung zu Teil werden, die auch aus seinen gesellschaftlichen Ambitionen resultierte. Maria Geatana Agnesi war das älteste Kind von 21 Geschwistern.

Bereits in früher Kindheit bemerkte man, daß sie sehr leicht Sprachen erlernen konnte. Daher ließ ihr Vater sie und ihre zwei Jahre jüngere Schwester Teresa Maria von Privatlehrern unterrichten. Maria Geatana und ihre Schwester galten als Wunderkinder. So erschien 1723 in Mailand ein Sonett mit dem Titel: "zu Ehren des Mädchens Maria Geatana Agnesi, das im Alter von fünf Jahren wunderbar französisch spricht". Vier Jahre später sprach sie angeblich so gut Latein, daß sie auf einem Empfang in ihrem Vaterhaus eine Rede zum Thema Frauenstudium gehalten haben soll. Mit elf Jahren beherrschte sie das Griechische weitgehend und lernte in den folgenden Jahren noch Deutsch, Spanisch und Hebräisch, so daß sie fortan unter dem Namen "oracolo settelingue" (das siebensprachige Wunder) gefeiert wurde.

Jedoch beschränkte sie sich nicht nur auf Sprachkenntnisse. In den folgenden Jahren widmete sie sich auch der Mathematik, Physik und Philosophie. Im Alter von 20 Jahren erschien ihr Werk Propositiones philosophicae, welches 191 Thesen enthält, die Maria Agnesi in Streitgesprächen verteidigt hatte.

Anfang 1740 beschloß Maria Geatana Agnesi in ein Kloster einzutreten. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch an ihrem Vater, der sie im Hause behalten wollte und ihr fortan ein Leben wie in einem Kloster auch im Elternhaus ermöglichte. Durch diese neu gewonnene Ruhe widmete sich Agnesi jetzt intensiv der Mathematik und beschäftigte sich ebenfalls mit theologischen Schriften.

Unter der Anleitung ihres neuen Lehrers Ramiro Rampinelli studierte sie im Selbststudium die "neue Mathematik", die Infinitesimalrechnung. Sie verfaßte auch einen Kommentar zu einem der ersten Lehrbücher auf diesem Gebiet, dem Traité analytique des sections coniques des Marquis de l'Hôpital, der allerdings nicht veröffentlicht wurde. Ab 1745 korrespondierte sie mit Jacopo Riccati und 1748 erschien ihr berühmtestes Werk Instituzioni analitiche ad Uso della Gioventù Italiana (Lehrbuch der Analysis für die italienische Jugend), was zweibändig war und über 1000 Seiten umfaßte. Darauf wurde sie in die Akademie von Bologna gewählt, was ihre erste wissenschaftliche Ehrung war. Jedoch hat sie nie in Bologna Mathematik gelehrt.

Maria Gaetana Agnesi hätte somit im Jahre 1750, als sie 32 Jahre alt war, eine glanzvolle Karriere als Wissenschaftlerin antreten können - sie war berühmt und hatte eine Professur an einer angesehenen Universität. Doch nach dem Tod ihres Vaters wandte sie sich der Erziehung ihrer jüngeren Geschwister zu und entschied sich für ein Leben als christliche Wohltäterin. So verfaßte Agnesi nun selbst religiöse Schriften und kümmerte sich um kranke und mittellose Frauen in ihrer Heimatstadt. Sie geriet als Mathematikerin nicht in Vergessenheit, hatte sich aber von der Wissenschaft völlig abgewandt.

Das oben bereits benannte Werk Instituzioni analitiche ad Uso della Gioventù Italiana enthält auch die von ihr studierte Kurve, die ihr zu Ehren "Witch of Agnesi" genannt wird. Dieser Name resultiert aus einer falschen Übersetzung des Wortes "la versiera di Agnesi" aus dem Italienischen, da es ein Cambridge Professor als "l'avversiera di Agnesi" interpretierte, wobei "avversiera" die englische Übersetzung "witch" hat.

Um auf den roten Punkt und somit auf die Kurve zu kommen, benötigt man einen Kreis, dessen Mittelpunkt bei (0,a) liegt, wobei a der Radius ist. Die obere grüne Gerade hat die Geradengleichung y=2a. Man hat den Ursprungspunkt O=(0,0) und einen Punkt P, den man auf der Kreislinie rotieren läßt. Die Gerade durch diese beiden Punkte O und P schneidet die grüne Gerade im Schnittpunkt S. Nun wählt man sich die x-Koordinate des Punktes S und die y-Koordinate des Punktes P und kommt so auf den roten Punkt. Insgesamt kann die Kurve durch folgende Gleichung beschrieben werden: y=(8a3) / (x2+4a2)