Es sei eine beliebige nichtleere Menge, die in diesem Zusammenhang auch Alphabet genannt wird und deren Elemente entsprechend Buchstaben oder allgemeiner Zeichen heißen.
Weiterhin bezeichne die Menge aller (endlichen) Worte oder Strings, d. h. aller endlichen Sequenzen von Elementen aus . Mit bezeichnet man die Länge dieses Wortes. Dabei ist auch das leere Wort als Sequenz der Länge 0 eingeschlossen. Für Worte und definiert man als innere Verknüpfung die Konkatenation gemäß
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Diese Verknüpfung ist offenbar assoziativ und das leere Wort ist neutrales Element. Also ist ein Monoid, das freie Monoid über . Die Abbildung gemäß für alle aus ist nach der Definition der Gleichheit von Sequenzen injektiv und man identifiziert daher die Buchstaben aus mit den Wörtern der Länge 1 aus . Die Abbildung ist offensichtlich ein surjektiver Homomorphismus von auf das Monoid der natürlichen Zahlen. Genau dann ist kommutativ, wenn aus einem Element besteht, da für zwei verschiedene Elemente und aus die Paare und aus verschieden sind. Außerdem ist genau in diesem Fall der Längenhomomorphismus ein Isomorphismus, also jedes freie Monoid über einem einelementigen Alphabet isomorph zu dem Monoid
Man schreibt ein Wort auch kurz als und läßt das Verknüpfungssymbol bei der Konkatenation weg. Will man das leere Worte explizit ansprechen, so verwendet man meistens das Symbol oder auch , das natürlich nicht schon in vorkommen darf. Wegen ist jedes freie Monoid ein Monoid mit echter Längenfunktion im Sinn der folgenden Definition.
Ein Monoid mit dem Einselement heißt ein Monoid mit echter Längenfunktion, wenn es einen Homomorphismus gibt, der für alle aus erfüllt.
Für Elemente mit eines derartigen Monoids folgt hieraus aber schon und daher , d. h. außer dem Einselement ist kein Element invertierbar.
Aus der Definition der Gleichheit zweier Sequenzen, nämlich genau dann, wenn und für alle gilt, folgt die Kürzbarkeit jedes freien Monoids. Daher sind freie Monoide Beispiele für Halbgruppen mit genau einem idempotenten Element, dem leeren Wort. Sie sind aber keine Gruppen.
Eine große Bedeutung besitzen freie Monoide in der Theorie der formalen Sprachen oder der Automatentheorie, wo sie meistens mit bezeichnet werden. Eine formale Sprache wird dann als beliebige Teilmenge von definiert. (Vergleiche hierzu auch Kapitel IV.5 in Hebisch/Weinert.)
Man kann in der obigen Konstruktion auch das leere Wort fortlassen und gelangt so zu dem Begriff der freien Halbgruppe über . Diese wird meist mit bezeichnet. Sie besitzt keine idempotenten Elemente und ist ebenfalls kürzbar.
Eine Halbgruppe heißt gleichteilbar, wenn für alle in aus folgt, daß ein aus existiert mit und , oder ein aus mit und .
Jede Gruppe und jede freie Halbgruppe sind gleichteilbar.
Im Fall einer Gruppe setze man oder . Im Fall einer freien Halbgruppe sei mit aus . Dann gibt es Indizes aus mit und . Im Fall sei , sonst , was für das leere Wort sein darf. Dann lassen sich die behaupteten Gleichungen nachrechnen.
Die algebraische Bedeutung freier Halbgruppen (und Monoide) wird durch die folgenden Überlegungen deutlich.
a) Ist eine beliebige Abbildung von in eine Halbgruppe , dann existiert ein eindeutig bestimmter Homomorphismus mit für alle aus .
Ist nämlich ein solcher Homomorphismus, so folgt
(2)
für alle aus , d. h. ist durch eindeutig bestimmt. Definiert man andererseits gemäß , so ist es offensichtlich ein Homomorphismus.
b) Daher sind die oben konstruierten Monoide freie Halbgruppen über im Sinn der folgenden abstrakten Definition.
Eine beliebige Halbgruppe heißt eine freie Halbgruppe über , wenn es eine Abbildung gibt und für jede Halbgruppe und jede Abbildung einen eindeutig bestimmten Homomorphismus , der erfüllt.
c) Für jedes Alphabet gibt es bis auf Isomorphie genau eine freie Halbgruppe über .
Ist zunächst eine freie Halbgruppe mit der Abbildung und setzt man sowie , so ist der eindeutig bestimmte Homomorphismus offensichtlich die identische Abbildung auf . Ist nun eine weitere freie Halbgruppe mit der Abbildung und setzt man sowie , so gibt es genau einen Homomorphismus mit . Vertauscht man die Rollen von und , so erhält man einen eindeutig bestimmten Homomorphismus mit . Es folgen und . Daher sind die eindeutig bestimmten Homomorphismen und die identischen Abbildungen auf bzw. , d. h. sowohl als auch sind Isomorphismen.
d) Eine Halbgruppe ist genau dann eine freie Halbgruppe, wenn jedes Element von sich eindeutig als Produkt von Elementen aus darstellen läßt.
Offensichtlich hat jede Halbgruppe diese Eigenschaft, denn dann ist , da aus genau den Worten mit einer Länge größer als 1 besteht. Sei umgekehrt eine Halbgruppe mit dieser Eigenschaft und sowie eine Abbildung in eine beliebige Halbgruppe. Für in sei die eindeutige Darstellung mit Elementen aus Definiere durch . Dann ist offensichtlich der eindeutig bestimmte Homomorphismus auf , der fortsetzt. Also ist eine freie Halbgruppe.
e) Sei ein Halbgruppenhomomorphismus und ein surjektiver Halbgruppenhomomorphismus. Dann gibt es einen Homomorphismus mit .
Wähle dazu für jedes aus ein Element aus der nichtleeren Menge willkürlich aus. Dies ist möglich, da surjektiv ist. Also ist eine Abbildung, die sich nach a) zu einem Homomorphismus fortsetzen läßt. Für alle aus gilt dann aber