Eine kommutative und idempotente Halbgruppe nennt man auch einen Halbverband. Dabei schreibt man oft für das Verknüpfungssymbol *.
Für jeden solchen Halbverband definiert
(1)
für alle und aus
eine
partielle Ordnungsrelation auf , denn
wegen der Idempotenz von
ist reflexiv,
wegen der Kommutativität von
ist
antisymmetrisch und wegen der Assoziativität von
ist transitiv. Außerdem prüft man leicht
nach, daß für je zwei Elemente
und die kleinste obere Schranke
liefert.
Die drei Bedingungen "Idempotenz", "Kommutativität" und "Assoziativität" sind unabhängig voneinander: Es gibt idempotente und kommutative Gruppoide ( sogar Quasigruppen), die nicht assoziativ sind. Jede abelsche Gruppe mit mindestens zwei Elementen ist kommutativ und assoziativ, aber nicht idempotent. Jede Linkszerohalbgruppe mit mindestens zwei Elementen ist assoziativ und idempotent, aber nicht kommutativ.
Ist umgekehrt eine partiell geordnete Menge, in der zu je zwei Elementen und stets die kleinste obere Schranke existiert, so definiert
(2)
für alle und aus eine
Verknüpfung
auf , so daß
eine kommutative und idempotente
Halbgruppe ist.
Aus (1) folgt sofort, daß ein neutrales ( absorbierendes) Element von kleinstes (größtes) Element von ist. Aus (2) folgt ebenso, daß auch die Umkehrung hiervon gilt.
Existiert nun in einer partiell geordneten Menge
zu je zwei Elementen und aus
nicht nur die kleinste obere Schranke , sondern auch
die größte untere Schranke , so kann man
neben der Verknüpfung
gemäß (1) auch
eine Verknüpfung
gemäß
(3)
für alle und aus definieren. Ersichtlich ist dann auch ein Halbverband und es gilt für alle und aus
(4)
Weiterhin besteht zwischen den beiden Verknüpfungen auf die Beziehung
(5)
für alle und aus . Man nennt daher solch eine Struktur bzw. die gemäß (1) oder (4) dazu gehörige partiell geordnete Menge einen Verband.
Man rechnet leicht nach, daß in jedem Verband die beiden Absorptionsgesetze gelten:
(6)
für alle und aus .
Andererseits folgt aus den beiden Absorptionsgesetzen mit Hilfe
der Kommutativität der beiden Verknüpfungen
und
auch (5).
Aufgabe: Es sei
eine Struktur mit den beiden
Verknüpfungen
und
, so daß die Absorptionsgesetze gelten. Man zeige,
daß dann beide Verknüpfungen
idempotent sind.
Man kann also einen Verband auch durch die folgenden sechs Axiome charakterisieren, die für alle aus gelten müssen.
(a b) c =
a (b c)
| (a b) c =
a (b c)
|
a b = b a
| a b = b a
|
a (a b) = a
| a (a b) = a
|
Man kann durch entsprechende Gegenbeispiele zeigen, daß jede Struktur , in der mindestens eines dieser Axiome nicht erfüllt ist, kein Verband im Sinne der oben angegebenen Definition mehr ist. Dieses Axiomensystem für Verbände ist also minimal.