Orthogonale Lateinische Quadrate
Ein Lateinisches Quadrat der Ordnung n ist eine
nxn-Matrix
mit
Einträgen aus einer n-elementigen Menge , so daß
jedes Element aus in jeder Zeile und jeder Spalte von
genau einmal vorkommt. Daher ist nichts
anderes als die
Cayley-Tafel einer endlichen
Quasigruppe .
Zwei Lateinische Quadrate und
Denkt man sich zwei orthogonale Lateinische Quadrate "übereinandergelegt",
so gibt es für jedes Paar (a,b) aus AxA
also genau eine Stelle, an der a und b in dieser
Reihenfolge übereinander liegen.
Für n = 1, also etwa A = { a }, gibt es
trivialerweise genau ein lateinisches Quadrat der Ordnung 1
und dieses ist offensichtlich zu sich selbst orthogonal.
Für n > 1 kann dagegen kein Lateinisches Quadrat der
Ordnung n zu sich selbst orthogonal sein, da beim "Übereinanderlegen"
nur Paare der Gestalt (a,a) entstehen, also nicht
sämtliche Elemente aus AxA. Da es für
n = 2 nur genau eine Quasigruppe (und damit ein Lateinisches
Quadrat) der Ordnung 2 gibt, existiert in diesem Fall kein Paar
orthogonaler Lateinischer Quadrate.
Leonhard Euler bemühte sich vergeblich, ein Paar orthogonaler
Lateinischer Quadrate der Ordnung 6 zu finden und er vermutete
daraufhin, daß es kein Paar orthogonaler Quadrate der Ordnung
n geben könnte, wenn n=2 mod 4 ist. Diese Vermutung wurde erst
im Jahre 1900 für n=6 bewiesen, jedoch wurde dann 1959/1960 gezeigt,
daß die Vermutung für alle anderen n = 2 mod 4 falsch ist,
daß also dann stets Paare orthogonaler Lateinischer Quadrate
existieren. Schon vorher hatte man eine Konstruktionsmethode gefunden,
die es für alle n, die nicht kongruent 2 modulo 4 sind, gestattete,
Paare orthogonaler Lateinischer Quadrate anzugeben. Diese Methode
wird im folgenden beschrieben.
Es sei zunächst n = pk eine Primzahlpotenz
und n > 2. Dann gibt es einen
Körper (K,+,*)
der Ordnung n und in K \ { 0 }
zwei verschiedene Elemente c1
und c2. Jetzt definiert man zwei
Verknüpfungen *1 und *1
auf K durch
(1) a*ib = ci*a + b
für alle a, b aus K.
Sind nun a, b aus K beliebig gegeben, so
sind xi = b - ci*a und
yi = ci-1*(b - a)
die eindeutig bestimmten Elemente aus K mit
a*i xi = ci*a + xi
= b bzw. yi*i a =
ci*yi + a = (b - a) + a = b.
Also sind (K,*i ) beides Quasigruppen
und ihre Cayley-Tafeln daher Lateinische Quadrate. Es bleibt zu zeigen,
daß dieses Paar Lateinischer Quadrate orthogonal ist.
Dazu sei (c,d) ein beliebiges Paar aus KxK.
Dann bilden a = (c1 - c2)-1*(c-d)
und b = c - c1*a die eindeutig bestimmte
Lösung des linearen Gleichungssystems
a*1b = c1*a + b = c
a*2b = c2*a + b = d.
Also bestimmen a und b die Zeile
bzw. die Spalte in den Cayley-Tafeln von (K,*1 )
und (K,*2 ), wo c und d
jeweils stehen. Daher sind diese beiden Lateinischen Quadrate orthogonal.
Für n > 3 kann man die Konstruktion geringfügig
modifizieren, um sogar zwei idempotente Quasigruppen
(K,*i ) zu erhalten. Dazu wähle man
c1 und c2 sogar
aus K \ { 0, 1 } und definiere anstelle von (1)
(1') a*ib = ci*a + (1 - ci )*b
für alle a, b aus K. Setzt man hierin
nämlich a=b, so ergibt sich unmittelbar die
Idempotenz beider Verknüpfungen. Die restlichen Aussagen sind wie
oben zu zeigen.
Ist nun n eine beliebige natürliche Zahl, die nicht kongruent
2 modulo 4 ist, so ist der Fall n=1 oben schon erledigt und man kann
für n eine Primfaktorzerlegung gemäß
(2) n = 2m*n1*...*nk,
voraussetzen, wobei m /= 1 gilt und die
ni > 2 Potenzen ungerader Primzahlen sind.
Für jede in (2) auftretende Primzahlpotenz kennt man aber nach der
oben angegebenen Konstruktion ein Paar von Quasigruppen, das ein Paar orthogonaler
Lateinischer Quadrate liefert. Bildet man jetzt die direkten Produkte
der jeweiligen Quasigruppen, so erhält man wiederum ein Paar von
Quasigruppen der Ordnung n, welche das zu konstruierende Paar orthogonaler
Lateinischer Quadrate liefert.
Zur Veranschaulichung sei die Konstruktion für n=5 mittels (1')
konkret ausgeführt. In dem Körper
K = Z/(5) = {0, 1, 2, 3, 4} wähle man etwa
c1 = 2 und c2 = 4 = -1.
Dann sind die beiden Verknüpfungen also gemäß
a*1b = 2*a - b und
a*2b = -a + 2*b definiert. Damit berechnet
man die Cayley-Tafeln von *1 zu
| *1
|
|
|
|
| 0
| 4
| 3
| 2
| 1
| | 2
| 1
| 0
| 4
| 3
| | 4
| 3
| 2
| 1
| 0
| | 1
| 0
| 4
| 3
| 2
| | 3
| 2
| 1
| 0
| 4
|
|
Wegen a*2b = b*1a ergibt sich die
Cayley-Tafel von *2 hieraus durch Spiegelung
an der Hauptdiagonalen und man kann sofort die beiden orthogonalen
Lateinischen Quadrate angeben.
| 0
| 4
| 3
| 2
| 1
| | 2
| 1
| 0
| 4
| 3
| | 4
| 3
| 2
| 1
| 0
| | 1
| 0
| 4
| 3
| 2
| | 3
| 2
| 1
| 0
| 4
|
|
|
| 0
| 2
| 4
| 1
| 3
| | 4
| 1
| 3
| 0
| 2
| | 3
| 0
| 2
| 4
| 1
| | 2
| 4
| 1
| 3
| 0
| | 1
| 3
| 0
| 2
| 4
|
|