Steinersche Tripel-Systeme, Quasigruppen und Loops
Ein Steinersches Tripel-System (kurz: STS)
(Jakob Steiner, 1796 - 1863) auf einer Menge
besteht aus dreielementigen Teilmengen von derart,
daß zu je zwei verschiedenen Elementen und
Ist S ein STS auf A, so definieren
(1) a*a = a
für alle a aus A und
(2) a * b = c <=> a /= b aus A und { a, b, c } aus S
eine (wegen (1))
idempotente und
kommutative Verknüpfung auf
A, d. h. es gilt auch
(3) a*b = b*a
für alle a, b aus A.
Offensichtlich folgt für die drei paarweise
verschiedenen Elemente a, b, c aus (2) dann
auch a * c = b und b * c = a.
Insbesondere ergibt sich daraus, daß (A,*) eine
Quasigruppe ist, die schließlich wegen (2) noch
(4) a*(a*b) = b
für alle a,b aus A erfüllt, also
linkssymmetrisch
ist. Man nennt
Gruppoide mit (1), (3) und (4) auch idempotente
vollständig symmetrische Quasigruppen oder kurz
Steinersche Quasigruppen. Derartige Quasigruppen sind in hohem Maße
nicht-assoziativ, denn erfüllen zwei Elemente a und
b das Assoziativgesetz, so folgt aus (4) und (1) sofort
a*b = b und analog b*a = a. Mit (3) zeigt
dies bereits a = b.
Geht man umgekehrt von einer Steinerschen Quasigruppe (A,*)
aus, so erhält man auf folgende Weise die Elemente {a, b, c}
eines STS. Zu verschiedenen Elementen a und b
aus A nehme man das eindeutig bestimmte c aus
A hinzu, für welches a*b = c gilt. Dann
gilt wegen (4) auch a*c = a*(a*b) = b, woraus mit (3)
schließlich c*b = c*(c*a) = a folgt, d. h. je zwei
verschiedene Elemente aus {a, b, c} bestimmen durch ihr
Produkt das dritte, welches dann wegen (1) wiederum von beiden verschieden ist.
Die so konstruierten Mengen sind also tatsächlich dreielementig und
bilden ein STS.
Man kann mit Hilfe eines STS auf A noch eine andere Multiplikation
definieren, indem man zuerst noch ein neues Element e zu
A hinzunimmt und dann auf A
{ e }
die Formel (1) ersetzt durch
(1') a * a = e und e*a = a = a*e
für alle a aus A
{ e }.
Dann wird (A
{ e },*) aufgrund der oben
angegebenen Überlegungen eine Quasigruppe mit neutralem Element, also eine
Loop. Man nennt Gruppoide mit (1'), (3) und (4) auch Steinersche
Loops, denn es gilt die folgende Umkehrung.
Ist (A,*,e) eine Loop mit dem neutralen Element e
und | A | > 1, dann kann man die dreielementigen Teilmengen
{ a, b, c } eines STS auf A \ {1} dadurch
definieren, daß je zwei verschiedene Elemente aus einer solchen
Menge das dritte durch ihr Produkt bestimmen. Der Beweis ergibt sich mit
denselben Argumenten wie bei Steinerschen Quasigruppen.
Für | A | = 1 ist S = { }
ein STS auf A und offensichtlich das einzig mögliche, da keine
dreielementigen Teilmengen von A existieren.
Für | A | = 2 existiert kein STS auf A, da zu
den beiden verschiedenen Elementen aus A kein drittes existiert,
das mit den ersten beiden eine dreielementige Teilmenge von A
bildet.
Für | A | = 3 ist offensichtlich S = { A }
das einzig mögliche STS auf A. Es liefert die einzige
idempotente und kommutative
Quasigruppe mit 3 Elementen und als Loop mit 4 Elementen die
Kleinsche
Vierergruppe.
Für | A | = 4, etwa A = { a, b, c, d },
darf man { a, b, c } aus S annehmen. Zu a
und d darf dann aber weder { a, d, b } noch
{ a, d, c } in S liegen, da im ersten Fall
zwei verschiedene Mengen aus S sowohl a als auch
b enthalten, während im zweiten Fall a und
c in zwei verschiedenen Mengen aus S enthalten
sind.
Ebenso kann man zeigen, daß für | A | = 5 und
| A | = 6 keine STS existieren. Dies ergibt sich aber
wesentlich eleganter aus der Formel (6) weiter unten.
Das nächst größere STS existiert erst wieder für
| A | = 7. Dazu betrachte man die folgenden sieben Elemente:
die drei Eckpunkte, die drei Seitenmitten und den Schwerpunkt eines
gleichseitigen Dreiecks. Die (sieben) dreielementigen Teilmengen des STS
werden nun wie folgt gebildet. Je drei Punkte, die auf einer Seite oder
auf einer Seitenhalbierenden liegen, bilden insgesamt sechs dreielementige
Teilmengen. Die siebte Teilmenge wird von den drei Seitenmitten gebildet.
Satz Ist S ein STS auf A, so gelten
(5) | S | = 1/6*|A|*(|A| - 1) und
(6) | A | = 1 mod 6 oder | A | = 3 mod 6.
Beweis
Jede der |A|*(|A| - 1)/2 verschiedenen zweielementigen Teilmengen
kann man zu genau einer dreielementigen Menge aus S
ergänzen. Allerdings entsteht jede dreielementige Teilmenge aus
S jeweils dreimal, da sie aus jeder ihrer drei zweielementigen
Teilmengen entsteht. Also gilt 3*|S| = |A|*(|A| - 1)/2,
woraus (5) folgt.
Für ein beliebiges Element a aus A seien
S1,...,Sk sämtliche Elemente
aus S, in denen a enthalten ist. Dann sind
die zweielementigen Teilmengen Si \ { a }
paarweise disjunkt und ihre Vereinigung ergibt A \ {a}, da
jedes von a verschiedene Element b aus
A in genau einer dieser Mengen enthalten ist. Also ist
| A \ { a } | gerade und daher | A | ungerade,
also kongruent 1, 3 oder 5 modulo 6.
Aus (5) ergibt sich aber, daß |A|*(|A| - 1)
ganzzahlig durch 6 teilbar sein muß, d. h. entweder ist
| A | oder |A| - 1 durch 3 teilbar.
Im ersten Fall ist | A | kongruent 0 oder 3 modulo 6,
im zweiten Fall kongruent 1 oder 4 modulo 6. Kombiniert man beide
Resultate, so bleiben nur die beiden in (6) angegebenen Fälle.