Dedekind, Julius Wilhelm Richard

Julius Wilhelm Richard Dedekind (6.11.1831 - 12.02.1916) wurde in Braunschweig als jüngstes von vier Kindern eines Jura-Professors geboren. Nach einem Studium der Mathematik bei Gauß in Göttingen promovierte er 1852. Nachdem er in Göttingen und Zürich gelehrt hatte, ging er 1863 an die Technische Hochschule Braunschweig, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1894 blieb.

Zunächst interessierte sich Dedekind hauptsächlich für Physik und Chemie, aber er wandte sich dann der Mathematik zu, weil ihm deren Art der exakteren Argumentation mehr zusagte. Seine ersten mathematischen Veröffentlichungen lagen auf den Gebieten der Analysis und Wahrscheinlichkeitstheorie. Ende der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts wandte sich sein Interesse der algebraischen Zahlentheorie zu und auch einer exakten Begründung der reellen Zahlen. Das Interesse an der Zahlentheorie schlug sich in seiner Theorie der Ideale nieder, die erstmals in seinem Anhang zu den Dirichletschen Vorlesungen über Zahlentheorie erschien. Von ihm stammt die Bezeichnung ``Körper'' für die heute so genannten algebraischen Strukturen und er hielt die erste Vorlesung über Galois-Theorie. Eines seiner bedeutendsten Werke ist die algebraische Behandlung algebraischer Funktionen (gemeinsam mit H. Weber). Sein Interesse für eine exakte Fundierung der reellen Zahlen stammt aus dem Jahr 1858, in dem er eine Analysis-Vorlesung hielt und ihm die fehlende Präzisierung des Grenzwertbegriffs auffiel. Seine Lösung des Problems durch die heute sogenannten ``Dedekindschen Schnitte'' wurde im Jahre 1872 veröffentlicht. Hierdurch erhielt die gerade von Cantor entwickelte Mengenlehre eine große Unterstützung.

Dedekind war auch musikalisch begabt und komponierte sogar eine kleine Oper. Er heiratete nie und lebte bis zu seinem Tode bei seiner Schwester.