Kenter, Peter


Peter Kenter wurde 1949 in Detmold geboren, studierte von 1972 bis 1977 Mathematik an der Universität Münster und von 1984 bis 1987 Kunst an der Universität Dortmund. Von 1980 bis 2004 war er Gymnasiallehrer in Lüdenscheid und ist seit 2005 freischaffender Künstler. Seit den 90er Jahren stellt er eigene Werke aus und beschäftigt sich seit 2003 mit der Konkreten Malerei an der Schnittstelle von Mathematik und Kunst.

Zu seiner Homepage geht es hier.


"Peter Kenter ist konkreter Künstler und Mathematiker. Er gehört zu der inzwischen wohl dritten Generation konkreter Künstler, die die Bewegung dieser Kunstrichtung in der Tradition Max Bills fortsetzen. Er bekennt sich ausdrücklich zu den strengen Forderungen Max Bills; und vor allem in der konsequenten Einhaltung mathematischer Gesetze hat er seine persönliche künstlerische Heimat gefunden.

Für Peter Kenter bedeutet künstlerische Freiheit nicht Zufall und Willkür, sondern die geistige Freiheit, sich den selbst gesetzten Regeln zu unterwerfen. Regeln, die sich aus seiner Kompetenz als Mathematiker und dem souveränen Umgang mit den Gesetzen der Mathematik ableiten. Wie kaum ein anderer Künstler ist er von der Mathematik und der ihr innewohnenden Schönheit überzeugt. In geordneten Systemen, in harmonischen Maßen und vibrierenden Rhythmen macht er sie uns sinnlich erfahrbar.

Aus definierten Zahlenfolgen entwickelt er mathematisch-geometrische Strukturen. Innerhalb dieser Strukturen erfasst, erkennt oder kreiert er gesetzmäßige Zusammenhänge und Ordnungsschemata, die er auf ihren sinnlichen Gehalt, auf die Möglichkeiten ihrer Visualisierung hin erprobt. Mit Hilfe des Computers entsteht so schließlich ein Programm, das wie ein verbindlicher Plan seinen Bildern, Bildabfolgen und Bildzyklen zugrunde liegt.

Der handwerklichen, malerischen Umsetzung dieser Bilder ist also ein Ideenfindungsprozeß vorausgegangen, der allein aus den kreativen Operationen mit den Gesetzen der Mathematik resultiert. In Anlehnung an Poincaré könnte man fast sagen: 'Kenters Bilder sind verkleidete Definitionen mathematischer Objekte.'

Das vorzugsweise benutzte Quadrat gibt den Arbeiten eine akzeptierte, selbstverständliche Eingrenzung und schließt durch seine neutrale Form jede Konkurrenz zum inneren Bildgeschehen so weit wie möglich aus. Außerdem taucht das Quadrat in der verkleinerten Wiederholung häufig als Modul einer formalen Abwicklung auf, um dann eine beabsichtigte Korrespondenz zum äußeren Format zu unterhalten.

Bei den Farben können wir feststellen, daß das Werk trotz des gelegentlichen Einsatzes von volltonigen Buntfarben überwiegend von der Skala der Nichtfarben Schwarz und Weiß bestimmt wird. Auch das ist kein Zufall. Denn Schwarz und Weiß bilden den schärfsten Kontrast und sind am eindeutigsten. Das heißt, ihre Wirkung weist die geringste Relativität auf.

So sind es also vor allem dieses hohe Maß an Bestimmtheit und Eindeutigkeit, warum Peter Kenter in seinen Arbeiten immer wieder Schwarz und Weiß bevorzugt. Unübersehbar erkennen wir darin seine künstlerische Absicht, uns Bilddefinitionen anzubieten, die ganz im Sinne von Max Bill das Universelle fordern und dabei doch das Einmalige pflegen.

Vielleicht liegt die Faszination der Kunst Peter Kenters ja darin, daß sie dem Aufbau unseres Denkens ein Bild gibt. Ein Bild, in dem das Denken sich selbst und gleichzeitig ein Stück unserer Welt erkennt."

H. H. Zimmermann, 2005