ADFGX- und ADFGVX-Verschlüsselung



Diese beiden Verschlüsselungen tragen ihre Namen aufgrund ihrer Herkunft von Polybios-Quadraten der Dimensionen 5x5 bzw. 6x6, bei denen als Kopfzeilen und Kopfspalten anstelle der Ziffern von 1 bis 5 bzw. 6 die genannten Buchstaben eingetragen werden. Diese Quadrate werden dann zufällig mit den Buchstaben der verwendeten Alphabete gefüllt. Im ersten Fall mit den Buchstaben des lateinischen Alphabetes, wobei "J" mit "I" identifiziert wird, im zweiten Fall kommen zu den 26 Buchstaben noch die zehn Ziffern 0 bis 9 hinzu.

Beide Verfahren wurden von Fritz Nebel (1891 - 1967), einem Leutnant der deutschen Wehrmacht, 1918 zur Verschlüsselung von Funknachrichten an der Westfront unter General Ludendorf entwickelt. Das erste Verfahren wurde ab dem 1. März 1918 angewendet, die zweite Variante ab Juni 1918. Die speziellen Buchstaben wurden gewählt, weil sie besonders gut zu unterscheidende Morsecodes besitzen:

ADFGV X
.- -.. ..-. --. ...- -..-

Im unten angegebenen Beispiel werden die beiden folgenden Polybios-Quadrate als Schlüssel benutzt

ADFGX
AWHEAT
DSONZY
FXVURQ
GPMLKI
XGFDCB

Schlüssel für eine ADFGX-Verschlüsselung

ADFGVX
AWHEA8T
D3SO0NZ
FY5XVU7
GR21QPM
VLK9I6G
X5FDC4B

Schlüssel für eine ADFGVX-Verschlüsselung

Die Sicherheit beider Verfahren beruht aber wesentlich auf einem zweiten Chiffrierschritt, der aus einer Transposition mit Blocklänge n=20 besteht.

Soll nun der Klartext

DIESER KLARTEXT IST JETZT ZU VERSCHLUESSELN

mit dem ADFGX-Verfahren verschlüsselt werden, so wandelt man ihn dem ersten Quadrat gemäß zunächst in Bigramme der Buchstaben A, D, F, G, X um:

DIESER KLARTEXT ISTJETZTZU VERSCHLUES SELN
XFGXAFDAAFFG GGGFAGFGAXAFFAAX GXDAAXGXAFAXDGAXDFFF FDAFFGDAXGADGFFFAFDA DAAFGFDF

Bisher wurde lediglich eine einfache monoalphabetische Substitution durchgeführt, allerdings bestehen die Geheimtextzeichen jetzt aus Bigrammen. Auf diesem Zwischentext führt man jetzt eine Transposition der Blocklänge n=20 durch, wodurch die Bigramme zerrissen (fraktioniert) werden. Es folgt also eine tomographische Verschlüsselung. Die Permutation der Buchstaben innerhalb der Blöcke stellt den zweiten Teil des verwendeten Schlüssels dar. Es gibt also insgesamt 25! * 20! bzw. 36! * 20! mögliche Schlüssel.

715391720122818 4119111361416510
XFGXAFDAAF FGGGGFAGFG
AXAFFAAXGX DAAXGXAFAX
DGAXDGFFFD AFFGDAXGAD
GFFFAFDADA AFGFDFFAFA

Um das Rechteck aufzufüllen wurden hierbei am Ende zwei Buchstaben "X" in Form der Bigramme "FA" ergänzt.

Jetzt kann man zeilenweise den Geheimtext in der Reihenfolge der Spaltennummern auslesen:

GAGFF FXAXG GDGAF GAFGF AXADA XAGFX XAGAX FFXAA FFAAA ADFXD GFDXG GDDFG FAFAF FGDFA FDDFF AAAGF

Diese Sequenz in Morsesignalenwird schließlich als Geheimtext gesendet.


Als die deutsche Wehrmacht diese Verschlüsselungen 1918 verwendete brauchte Georges Painvin (1886 - 1980) auf der französischen Seite vier Wochen, um diese sie zu brechen. Als die Deutschen dann das Polybios-Quadrat erweiterten, brauchte er nur noch einen Tag, um auch diese Erweiterung zu entschlüsseln.


Autor: Udo Hebisch
Datum: 03.05.2011