Blender, Nullen und Füller


Als Blender, Nullen oder Füller bezeichnet man einzelne Zeichen, die in einen Geheimtext eingestreut werden, ohne eigentliche Informationen zu tragen. Sie müssen vom befugten Empfänger der Nachricht leicht erkannt werden können, damit er sie ignorieren kann. Ihr Zweck als Blender ist es, einen unbefugten Entschlüssler zu täuschen, der natürlich versuchen muß, ihnen einen Sinn zu geben. Füller dienen dazu, die jeweilige Nachricht in ein bestimmtes Format zu bringen, die das verwendete Verschlüsselungsverfahren erfordert. Auch sie tragen inhaltlich keine Bedeutung und müssen vom Empfänger erkannt und ignoriert werden können.

Blender oder Nullen können vor der Verschlüsselung in den Klartext eingefügt und dann mitverschlüsselt werden oder erst danach in den Geheimtext. Füller müssen vor der Verschlüsselung in den Klartext eingefügt werden, damit das Verschlüsselungsverfahren korrekt durchgeführt werden kann.

Die Verwendung von Blendern wurde schon 1466 von Alberti vorgeschlagen.


Beispiel

In diexsen Klarqtext sind unsinynige Blendwer eingesvtreut, die abcer die Lesbaqrkeit nichtx wesentlicyh erscphweren.

Für die Kryptoanalyse des zugehörigen Geheimtextes zerstören diese Blender jedoch einige hilfreiche Angriffspunkte. Sie zerreißen etwa "st" und "ch" und sie zerstören die Regel, daß auf ein "q" stets ein "u" folgt. Damit erschweren sie die Kryptoanalyse und erhöhen die Sicherheit des Verfahrens.


Füller werden beispielsweise verwendet, um in einem Verschlüsselungsverfahren, das mit Blöcken von Klartextbuchstaben arbeitet, einen zu kurzen Text auf die richtige Blockgröße zu bringen. Wird etwa bei der Spaltentransposition mit jeweils 7 Spalten der Länge 11 innerhalb eines Blockes gearbeitet und sind aber (im letzten Block) nur noch 75 Klartextbuchstaben vorhanden, so kann der Klartext um 2 bedeutungslose Füllbuchstaben verlängert werden, die der rechtmäßige Empfänger aber auch als solche erkennen sollte. Daß das phantasielose Auffüllen mit immer demselben Buchstaben "X" die Sicherheit der Verschlüsselung jedoch extrem gefährden kann, zeigt das Kryptogramm in dieser Aufgabe. Hier wären zufällig gewählte Buchstaben anstelle des "X" besser gewesen.

Manche Verschlüsselungsverfahren arbeiten so, daß Bigramme (also Paare von Buchstaben) des Klartextes in Bigramme des Geheimtextes umgewandelt werden. Dies verlangt natürlich, daß der Klartext stets eine gerade Länge besitzt und bedingt andererseits, daß dasselbe für den Geheimtext gilt. Hier wird bei ungeradem Klartext also mindestens ein Füller erforderlich. Man kann die Sicherheit dieser Verfahren drastisch erhöhen, wenn man mit dem Empfänger verabredet, am Anfang und Ende des Geheimtextes jeweils eine bestimmte ungerade(!) Anzahl von Blendern einzufügen. Auf diese Weise geraten die Bigramme im Geheimtext "außer Takt" und führen zu ganz falschen Bigrammen im vermeintlichen Klartext.

Die von Charles L. Dodgson vorgeschlagene Vokal-Verschlüsselung arbeitet systematisch mit zahlreichen Nullen. Die Lösung eines beipielhaften Kryptogramms dazu findet man hier.


Autor: Udo Hebisch
Datum: 25.05.2011