Verschlüsselungen nach della Porta



Im Jahr 1563 veröffentlichte neapolitanische Universalgelehrte Giovan Battista della Porta (1538 - 1615) ein grundlegendes Werk über Kryptoraphie: De furtivis literarum notis ("Über die verborgene Bedeutung der Buchstaben"). In fünf Büchern schrieb er über die Geschichte der Geheimschriften, Entschlüsselungsverfahren und Besonderheiten der Sprache. Er verbreitete damit allgemein das Wissen über die von Alberti, Bellaso und Trithemius erfundenen Methoden.



So gab er unter anderem auf Seite 120 die unten rechts stehende Tabelle für eine polyalphabetische Verschlüsselung mit 11 Alphabeten zu je 22 Buchstaben an. Links ist noch einmal dieselbe Tabelle in modernem Zeichensatz aufgeführt.











A B
m
nopq rstu z
C D
m
zn q rst xy
E F
m
yznop qrs
G H
m
xyz p qr u
I L
m
xyzno pqrs
M N
m
tuxy o pqrs
O P
m
u xyzn opqr
Q R
m
r stux n opq
S T
m
qr stux n op
V X
m
p s tuxy zno
Y Z
m
opq rstu z n

Die hierdurch gegebene Verschlüsselung ist nahe verwandt mit denen von Bellaso, der allerdings bereits 1553 und 1555 nicht so leicht zu durchschauende Verschiebungen der jeweils unteren Hälften der Geheimtextalphabete benutzt hatte. Die als Literae claris bezeichneten Großbuchstaben des Schlüssels bestimmen jeweils ein als Literae scripti bezeichnetes und in Kleinbuchstaben angegebenes Geheimtextalphabet, das jeweils involutorisch benutzt wird. Jeder Buchstabe wird also mit dem darunter- bzw. darüberstehenden Buchstaben ausgetauscht, die Entschlüsselung erfolgt also nach demselben Verfahren wie die Verschlüsselung.


Auch die Alberti-Scheibe wurde von della Porta ausführlich beschrieben. Zwar erfand della Porta keine neuen kryptographischen Methoden, aber ihm gelangen einige wichtige Beobachtungen zur Kryptoanalyse monoalphabetischer und polyalphabetischer Methoden. Ein ausführliches Beispiel findet man hier.


Autor: Udo Hebisch
Datum: 28.03.2011