Die Memoria Technica-Chiffre von Charles L. Dodgson



Dieses von Dodgson 1875 angegebene Verfahren verschlüsselt die Ziffern von 0 bis 9 in Konsonanten, aus denen dann mittels eingefügter Vokale sinnvolle Wörter gebildet werden, die dann mehrstellige Zahlen repräsentieren. Diese Wörter werden schließlich in Merkverse eingebettet, um die Zahlen leichter memorieren zu können.

12345 67890
bdtfl sphnz
cwjquv xmkgr

Beipielsweise kann die Jahreszahl 1653, das Jahr, in dem Oliver Cromwell Lordprotector wurde, bei Fortlassung der selbstverständlichen 1, in die Folge "xlt" verschlüsselt werden, zu der man das Wort "exalt" bilden kann. Hieraus machte Dodgson dann den Merkvers

Ambition was thy fault
Thine own self to exalt.

Diese Technik des Auswendiglernens brachte er seinen Studenten bei und benutzte die Verschlüsselung von Zahlen auch in Briefen an Freunde.


Die Zuordnung der Buchstaben zu den Ziffern wurde von Dodgson mit Bedacht gewählt:

"b" und "c" sind die ersten Konsonanten im Alphabet.
"d" kommt von "duo", "w" von "two".
"t" kommt von "tres", "j" (siehe weiter unten).
"f" kommt von "four", "qu" von "quattuor".
"l" und "v" kommen von den römischen Zahlzeichen für 50 und 5.
"s" und "x" kommen von "six".
"p" und "m" kommen von "septem".
"h" kommt von "huit", "k" von "okto".
"n" kommt von "nine", "g" wegen der Ähnlichkeit zu "9".
"z" und "r" kommen von "zero". "j" ist nun der einzig noch verbleibende Konsonant, daher wir er ebenfalls der "3" zugeordnet.

Damit ist es leicht, den folgenden Merkvers zu entschlüsseln:

Columbus sailed the world around,
until America was FouND.

(1)492!


[1] Francine F. Abeles, The Memoria Technica Cipher, Cryptologia 27, No. 3, (2003), 217 - 229.
http://findarticles.com/p/articles/mi_qa3926/is_200307/ai_n9291665/
Autor: Udo Hebisch
Datum: 27.05.2011