"Geheimklappen"-Verschlüsselung



Hierbei handelt es sich um eine monoalphabetische Substitution aller Bigramme, die über dem Alphabet der zehn Dezimalziffern gebildet werden können. Dieses Verfahren wurde im März 1918 von der deutschen Wehrmacht an der Westfront eingeführt, um beliebige Ziffern-Codes einer zweiten Chiffrierung zu unterziehen (Überchiffrierung). Gegen Ende des 1. Weltkriegs wurde der Schlüssel zu dieser Bigrammsubstitution täglich gewechselt.

Beispiel

Die folgende Verschlüsselungstafel (links) und die dazu gehörende Entschlüsselungstafel (rechts) seien gegeben.

01234 5 6789
02348600578 35 58642951
12077335921 70 02406308
21149016947 41 79742242
33276381875 30 09518065
46119438106 56 73621028
58550248831 84 27905557
60391965368 16 44891587
79725710495 34 14379338
82672549213 83 45006667
98612983699 46 82179407
   
01234 5 6789
08722166073 03 44991936
14820913476 68 65973341
21014280052 71 80564908
33554301275 05 93777932
41725294266 86 95240121
55137096382 58 45590613
60240471807 39 88896423
71572814627 34 31110426
83843968555 50 90695367
95781837898 74 62709294

Die Anwendung dieser Verschlüsselung ist sehr einfach. Soll etwa das unten stehende Datum verschlüsselt werden, so teilt man es zunächst in Bigramme ein: 05 05 20 11. Nun sucht man in der Verschlüsselungstabelle links in der Zeile 0 und der Spalte 5 und findet das Bigramm 35. Für das zweite Bigramm ergibt sich natürlich dasselbe. Für die 20 erhält man entsprechend das Bigramm 11 und für die 11 das Bigramm 77. Also lautet der Geheimtext 35351177.

Für die Entschlüsselung von 47332023 spaltet man wieder in Bigramme auf: 47 33 20 23. Nun sucht man in der rechten Tafel in der Zeile 4 und der Spalte 7 das Bigramm 24, in der Zeile 3 und der Spalte 3 das Bigramm 12, in der Zeile 2 und der Spalte 0 das Bigramm 10 und in der Zeile 2 und der Spalte 3 das Bigramm 00. Als Datum handelt es sich also um den 24.12.1000.

Ist die Anzahl der Ziffern gerade, so kann man entweder diese Ziffer unverändert stehen lassen, oder, wenn keine Mißverständnisse möglich sind, bei der Bildung der Bigramme eine Ziffer willkürlich ergänzen. Insgesamt kann man so jede Ziffernfolge verschlüsseln, also insbesondere auch eine, die sich aus einer vorhergehenden Verschlüsselung ergeben hat. Daher der Name Überchiffrierung.

Die Anzahl der möglichen Schlüssel dieses Verfahrens beträgt also 100!.


Autor: Udo Hebisch
Datum: 05.05.2011