Steganographie



Unter Steganographie (griechisch: steganos = versteckt, graphein = schreiben) versteht man eine Form der Übermittlung von geheimzuhaltenden Informationen, bei der diese in einer unverfänglich erscheinenden Nachricht versteckt werden. Ein potentieller Angreifer soll also gar nicht erst auf die Idee kommen, nach einer anderen als der offensichtlichen Information zu suchen. Hierdurch unterscheidet sich die Steganographie von der Kryptographie, wo dem Angreifer grundsätzlich klar ist, daß eine zu entschlüsselnde Botschaft vorliegt.


Die beiden folgenden Beispiele für die Anwendung steganographischer Methoden in der Antike finden sich bei dem griechischen Geschichtsschreiber Herodot (um 490/480 - um 424 v. Chr.).


Im ersten Beispiel will der Histiaos (um 520 - 493 v. Chr.), der am Hof des Perserkönigs Dareios I. in Susa lebt, seinem Vetter Aristagoras (? - 497 v. Chr.), der zu der Zeit in Milet herrschte, zu einem Aufstand gegen Dareios raten. Es kam auch 500 v. Chr. zum sogenannten Ionischen Aufstand der griechischen Städte in Kleinasien, der aber von den Persern niedergeschlagen wurde. Sowohl Histaios als auch Aristagoras kamen im Laufe der Kämpfe ums Leben.


"Dazu kam grade zu derselbigen Zeit der Knecht mit dem beschriebenen Kopf aus Susa von dem Histiaos, mit dem Rath, Aristagoras sollte sich empören wider den König. Nämlich Histiaos wollte den Aristagoras ermahnen zur Empörung und konnte es auf gar keine andere sichere Art thun, denn die Wege waren alle besetzt; er schor also seinem getreuesten Diener die Haare vom Kopf und schrieb darauf, und behielt ihn so lange da, bis die Haare wieder gewachsen waren. Alsbald aber die Haare wieder gewachsen waren, entsandte er ihn nach Miletos und gab ihm weiter gar keinen Auftrag, nur wenn er nach Miletos gekommen, sollte er dem Aristagoras sagen, er möchte ihm doch das Haar abscheeren und ihm den Kopf besehen. Die Schrift aber, wie ich auch schon zuvor gesagt, ermahnte zur Empörung." [1]




In dem zweiten Beispiel gelingt es Demaratos, dem ehemaligen König von Sparta, der seit 491 v. Chr. im Exil am persischen Hof in Susa lebte, die Spartaner vor dem Feldzug des Perserkönigs Xerxes zu warnen. Dieser wollte 480 v. Chr. die Griechen mit der bis dahin größten Streitmacht der Geschichte dafür zur Rechenschaft ziehen, daß sie keine Geschenke für die von Xerxes neugegründete Hauptstadt Persepolis bringen wollten. Es kommt zur vernichtenden Niederlage der Perser in der Seeschlacht von Salamis.

"Er nahm ein gefaltetes Täflein und schabte das Wachs davon ab und darauf schrieb er in das Holz des Täfleins des Königs Entschluß. Nachdem er das gethan, goß er das Wachs wieder über die Buchstaben, damit das leere Täflein den Wächtern des Wegs keinen Anstoß gäbe. Und als es nach Lakedämon gelangte, konnten es die Lakedämonier sich nicht erklären, wie man mir erzählt, bis Gorgo, die Tochter Kleomenes und des Leonidas Frau, es herausbrachte, und ihnen rith und sagte, sie sollten das Wachs abschaben und sie würden die Schrift im Holze finden. Das thaten sie und da fanden sie's und lasen's, und sodann schickten sie's den übrigen Hellenen zu."[2]


Wendet man Kerckhoffs' Prinzip auf die Steganographie an, so sind diese Verfahren aus der Antike nicht sicher, denn dieses Prinzip verlangt, daß eine Nachricht auch dann nicht erkannt werden kann, wenn dem Angreifer das Verfahren zwar prinzipiell bekannt ist, er aber den aktuell verwendeten Schlüssel nicht kennt.

Wesentlich größere Sicherheit läßt sich mit modernen steganographischen Verfahren erreichen, wenn die geheimzuhaltende Information in dem stets vorhandenen Rauschen von Ton- oder Bilddateien versteckt wird.

In der frühen Neuzeit war Francis Bacon ein begeisterter Anhänger der Steganographie. Weitere Beipiele findet man bei Edgar Allan Poe und Lewis Carroll.


[1] Friedrich Lange (Übers.), Die Geschichten des Herodotos, Band 2, Fünftes Buch, S. 21, Verlag Josef Max und Komp., Breslau 1824. (Digitalisiert von Google)

[2] In [1]: Siebentes Buch, S. 247-248,
Autor: Udo Hebisch
Datum: 08.04.210