Beispiel einer Verschlüsselung nach Vigenère



In seinem 1586 veröffentlichten Buch Traicté des Chiffres gibt Blaise de Vigenère auf Seite f50v die folgende Verschlüsselungstabelle für Alphabete mit 20 Buchstaben an.

   OPQRS TVXAB CDEFG HILMN
   EFGHI LMNOP QRSTV XABCD
OE abcde fghil mnopq rstvx
PF bcde fghil mnopq rstvx a
QG cde fghil mnopq rstvx ab
RH de fghil mnopq rstvx abc
SI e fghil mnopq rstvx abcd
TL fghil mnopq rstvx abcde
VM ghil mnopq rstvx abcde f
XN hil mnopq rstvx abcde fg
AO il mnopq rstvx abcde fgh
BP l mnopq rstvx abcde fghi
CQ mnopq rstvx abcde fghil
DR nopq rstvx abcde fghil m
ES opq rstvx abcde fghil mn
FT pq rstvx abcde fghil mno
GV q rstvx abcde fghil mnop
HX rstvx abcde fghil mnopq
IA stvx abcde fghil mnopq r
LB tvx abcde fghil mnopq rs
MC vx abcde fghil mnopq rst
ND x abcde fghil mnopq rstv

Vigenère beschreibt nun an dem folgenden Beispiel das später nach ihm benannte Verschlüsselungsverfahren. Er verschlüsselt den Klartext

au nom de l'eternel

mit Hilfe des Schlüssels

le jour obscur,

also nach folgender Tafel

aunomdel eternel
leiourob scurlei
bqnsamic onqcoal

Hierbei wurde von der obigen Tabelle für die Klartextbuchstaben die zweite Kopfspalte und für die Schlüsselbuchstaben die untere Kopfzeile verwendet. Im Unterschied zur tabula recta von Trithemius verwendet Vigenère also noch zusätzlich (durch zyklische Verschiebungen realisierte) Permutationen der Zeilen und Spalten dieser Tafel. Von seinen Nachfolgern wurde diese Möglichkeit aber nicht beachtet, so daß man in der Folgezeit unter dem Vigenère-Verfahren allgemein nur noch die Version ohne Permutationen der tabula recta verstand.


Autor: Udo Hebisch
Datum: 05.04.2011