Zeiger-Chiffren



Bei der Postkarten-Kryptographie, die zwischen 1900 und 1920 sehr beliebt war, wurde neben der Freimaurer-Chiffre auch oft ein Zeiger-Alphabet verwendet. Hierbei werden die 26 Buchstaben des lateinischen Alphabetes durch zwei Zeiger dargestellt, die gegeneinander um Winkel, die ein Vielfaches von 45o betragen, geöffnet sind. Damit sind abgesehen von Drehungen und Spiegelungen, zunächst die folgenden 5 Grundsymbole für die Winkel 0, 45, 90, 135 und 180 Grad möglich.

Dreht man diese Grundsymbole systematisch um immer 45 Grad weiter, so ergeben sich insgesamt 34 verschiedene Symbole.


Durch Zuordnung der 26 Buchstaben des lateinischen Alphabetes lassen sich hieraus prinzipiell sehr viele verschiedene Substitutionschiffren gewinnen.

Eine hiervon ist das sogenannte Winker-Alphabet, das für die Übermittlung von Flaggensignalen in der Seefahrt noch in Gebrauch ist. Die Zeiger werden dann durch zwei Flaggen dargestellt, eine wird bei ausgestreckten Armen in der rechten Hand gehalten, die andere in der linken. Da dabei das Symbol mit dem nach unten orientierten senkrechten Strich als Unterbrechungssignal benutzt wird, werden solche Zeigerstellungen vermieden, bei denen ein Zeiger senkrecht nach unten zeigt. Hierdurch reduziert sich die Anzahl der möglichen Symbole deutlich auf 28. Wenn man dann, um auch die Darstellung von Ziffern zu ermöglichen, zwei Symbole für das "Umschalten" zwischen Ziffern und Buchstaben vorsieht, kann man genau alle diese 28 Symbole benutzen.

Bei dem internationalen Winkeralphabet verzichtet man allerdings auf die Darstellung des Buchstabens "J", ein Symbol bleibt unbelegt.

Bei der Verwendung von Zeigeralphabeten auf Postkarten oder beim Führen geheimer Tagebücher kann man natürlich sämtliche Symbole benutzen, vor allem, da man dabei in der Regel auf die Verschlüsselung von Zahlen verzichtet. Diese bleiben im Geheimtext einfach erhalten. Die Punkte werden dann in der Regel nur gezeichnet, wenn sie zur Identifikation des Symbols nötig sind, also beispielsweise, um die Orientierung der Einzelstriche anzuzeigen.


Autor: Udo Hebisch
Datum: 20.03.2017