Moufang, Ruth

Ruth Moufang wurde am 10.1.1905 in Darmstadt als Tochter des Chemikers Dr. Eduard Moufang geboren. Ab dem Jahre 1913 besuchte sie das Lyzeum in Bad Kreuznach und anschließend das Realgymnasium, wo sie 1924 als eine der ersten Abiturienten das Abitur ablegte.

Danach begann sie 1925 in Frankfurt a. M. Mathematik und Physik zu studieren, um später ihrem Berufswunsch des Unterrichten an Höheren Schulen nachgehen zu können. So legte sie im November 1929 das Staatsexamen ab und promovierte ein Jahr später mit dem Prädikat "magna cum laude". Ihre Doktorarbeit schrieb sie zum Thema "Zur Struktur der projektiven Geometrie der Ebene", was ihr von Dehn gestellt wurde und ihr zu Ehren heute den Namen Moufang-Ebene erhielt. Ihre Aufgabe war es, die logische Abhängigkeit von Schließungssätzen zu untersuchen. Sie bezog sich dabei auf Netze, d.h. solche Unterebenen projektiver Ebenen, die aus endlich vielen Punkten durch stufenweises Schneiden und Verbinden erzeugt werden.

Das Rigorosum bestand sie in Mathematik mit gut bis sehr gut, in Physik nur mit knapp genügend. Im November 1931 verbrachte Ruth Moufang ein halbes Jahr in Rom als Stipendiatin und im darauffolgenden Jahr bis zum Herbst des nächsten Jahres, hielt sich sich in Königsberg bei Kurt Reidemeister auf. 1931 bis 1934 erschienen sieben Werke Ruth Moufangs, die ihren Ruhm und Ruf in den Grundlagen der Geometrie und in der Theorie der projektiven Ebenen begründeten.

Für ihre weitere Arbeit war es von großer Bedeutung, daß sie eine Begründung von Hilberts Streckenrechnung allein aus dem kleinen projektiven Satz von Desargues fand.

Sie begründete weiterhin als erste die Koordinatisierung von nicht desarguesschen Ebenen, die heute ihr zu Ehren Moufang-Loops genannt werden. Im Herbst 1933 kehrte sie dann nach Frankfurt a.M. zurück und musst feststellen, daß sich ihre Heimat aufgrund des Krieges und der Rassenauffassung ziemlich verändert hatte. Sie bekam Lehraufträge für Variationsrechnung, für gewöhnliche und partielle Differentialgleichungen sowie für analytische Geometrie. Die Lage an der Universität spitzte sich jedoch immer weiter zu, sodass einige Wissenschaftler in die USA emigrierten und andere wiederum amtsenthoben wurden.

Am 5.5.1936 reichte Ruth Moufang ihre Habilitationsschrift über geordnete Schiefkörper ein. Am 10. Juli 1936 wurde ihre Habilitation mit Erlaubnis des Ministeriums ausgesprochen. Jedoch bedurfte es für die venia legendi noch einer öffentlichen Lehrprobe, eines Gutachtens des Führers der NS- Dozentenschaft und der Teilnahme an zehn Wochen Dozentenakademie sowie an einem Arbeitsdienst. Die Verfahren zur Erlangung der Habilitation und der venia legendi waren seit dem Dezember 1934 getrennt worden. Das Ministerium lehnte aber ,"da ihr die Dozentur nicht verliehen werden kann", den von ihr gestellten Antrag am 24.10.1936 ab.

Da sie keinen Lehrauftrag hatte, arbeitete sie wenige Monate als Assistentin am Institut der theoretischen Physik. Sie versuchte es darauf noch einmal, die Lehrgenehmigung zu bekommen, jedoch wurde auch dieser Antrag vom Ministerium abgelehnt. Über diese wiederholte Ablehnung war sie sehr verbittert, da ihr die Lehrgenehmigung größtenteils wegen ihrem Geschlechtes verweigert wurde.

Ab November 1937 war sie als wissenschaftliche Assistentin für Mathematik und theoretische Physik im Forschungsinstitut der Firma Krupp in Essen tätig, wo sie immer noch mathematische Kreativität und Aktivität zeigte und auch noch in Zeitschriften Arbeiten zu angewandter Mathematik und Mechanik publizierte. 1942 wurde sie Abteilungsleiterin bei Krupp und 1946 wandte sie sich wieder dem Mathematischen Seminar an der Universität in Frankfurt zu, wo sie aufgrund des Mangels an qualifizierten Mitarbeitern sehr begrüßt wurde.

Am 26.9.1946 erhielt Ruth Moufang nun endlich die venia legendi. Am 19.12.1947 wurde sie zum außerplanmäßigem Professor ernannt. Sie war damit die erste Frau, die in Deutschland auf eine beamtete Professur für Mathematik berufen wurde. Am 7. Februar 1957 wurde sie nach einem aufwendigen Verfahren mit vier Gutachtern (Marshall Hall Jr., Wilhelm Magnus, Kurt Reidemeister, Emanuel Sperner) zum persönlichen Ordinarius ernannt. Dadurch bekam sie in der akademischen Selbstverwaltung alle Rechte und Pflichten, das Gehalt und die Stelle blieben jedoch gleich.

Ruth Moufang verstarb am 26.11.1977 im Alter von 72 Jahren.

veröffentlichte Arbeiten: