Auf den ersten Blick ähnelt der Wurm Spirobranchus giganteus - so der wissenschaftliche Name - tätsächlich zwei schillernden Weihnachstbäumen. Um zwei fleischige Stile winden sich jeweils filigrane bunte Tentakel spiralförmig bis zur Spitze. Das zerbrechlich wirkende Tier gehört zu den Serpuliden, einer Familie der Ringelwürmer.
Der "Christmas Tree Worm" wäre ebenso
unscheinbar wie andere Würmer - hätte
er nicht seine Kiemen. Diese baumförmigen
Fortsätze in Rosa, Rot, Orange, Gelb, Grün
oder Blau sind das einzige, was man von ihm sieht.
Das eigentliche Tier sitzt in einer selbstgebauten
Röhre aus Kalk. Mit den Kiemen nimmt der Wurm
nicht nur Sauerstoff auf, er filtert damit auch
winzige Nahrungspartikel aus der Strömung.
Mikroskopisch kleine Härchen, die Cilien,
strudeln die Beute in die Mundöffnung.
Hochsensible Sinneszellen an den Spitzen der Tentakel registrieren jeden flüchtigen Schatten sowie jede noch so leichte Druckwelle im Wasser. Dann zieht sich der Wurm blitzschnell seine empfindlichen Kiemenbäume in die schützende Röhre ein.
Hungrigen Verfolgern schlägt Spirobranchus obendrein die Tür vor der Nase zu: Ein harter Kalkdeckel zwischen den beiden Kiemen schließt die Röhre ab und hält mit geweihförmigen Haken gierige Räuber fern. Hat sich der Wurm erst einmal zurückgezogen, braucht man Geduld, denn es kann bis zu zehn Minuten dauern, bis er die bunten Kiemen wieder ausstreckt.