Allgemein:
In der antiken Geometrie erwarben drei geometrische Probleme dadurch
besondere Berühmtheit, dass sie von zahlreichen Mathematikern vergeblich
untersucht und schließlich als unlösbar angesehen wurden. Die
Quadratur des Kreises, die Verdopplung des Würfels und die Dreiteilung
des Winkel sind als klassische Probleme in die Geschichte der Mathematik
eingegangen. Wie heute bewiesen ist, sind sie mit den anerkannten Mitteln
der Antike, das heißt mit Zirkel und Lineal allein, tatsächlich
nicht exakt lösbar. Die Dreiteilung eins beliebigen Winkels entspricht
der Lösung der kubischen Gleichung x³-3x-c=0, welche im Allgemeinen
nicht auf die Konstruktion von rationalen Zahlen und Quadratwurzeln reduziert
werden kann. Aus diesem Grund reichen Zirkel und Lineal zur Bestimmung
der Lösung in der Regel nicht aus. Es stellt sich die Frage nach einem
möglichst unkomplizierten Hilfsmittel, dessen Hinzunahme die Lösung
des Problems ermöglicht.
Winkeldreiteilung:
Was mit Zirkel und Lineal allein möglich ist, ist die Dreiteilung
einer vor gegebenen Strecke aufgrund des Strahlensatzes. Gelänge es,
die Winkelteilung auf eine Streckenteilung zurückzuführen, so
wäre das Problem gelöst. Die einfachste denkbare Verknüpfung
zwischen Winkeln und Strecken ist eine direkte Proportionalität. Mit
Hilfe einer geometrischen Figur, bei der bestimmte Strecken bestimmten
Winkeln proportional sind, kann jede Winkelteiung in eine Streckenteilung
überführt, die Streckenteilung mit Zirkel und Lineal vorgenommen
und das Ergebnis schließlich auf die Winkelteilung "zurückgeführt"
werden.
Da es um Strecken und Winkel geht, drängt sich die Wahl von Polarkoordinaten
auf. In kartesischen Koordinaten sind bei unkomplizierter Zuordnung die
Achsenabschnitte in der Regel trigonometrische Funktionen der Winkel, nicht
aber den Winkeln selbst proportional. Wir nutzen deshalb als Hilfsmittel
eine Kurve, für die in Polarkoordinaten die Beziehung r~phi
gilt. Das ist eine archimedische Spirale! Unter Zuhilfenahme einer beliebigen
archimedischen Spirale ist die Dreiteilung eines Winkels nach dem folgenden
"Rezept" möglich:
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Konstruktion durch Polarkoordinaten:
Mit Zirkel und Lineal können beliebig viele Punkte einer archimedischen
Spirale exakt konstruiert werden. Im obigen Rezept existiert ein Schritt,
der mit Zirkel und Lineal allein nicht ausführbar ist. Denn durch
den zu teilenden Winkel sind der Pol und zwei weitere Punkte der Spirale
vorgegebenen, deren Abstände vom Pol beliebig (aber verschieden) gewählt
werden können. Mit Zirkel und Lineal können beliebig viele Zwischenpunkte
der Spirale konstruiert werden, allerdings immer nur durch fortgesetzte
Winkelhalbierung. Da aber wegen der Eindeutigkeit der Primfaktoren k*3
/= 2n und folglich k/2n /= 1/3 für alle k,n
in IN gilt, erhält man so niemals exakt die benötigten Punkte
der Spirale. Im Sinne praktischer Näherungslösungen ist die Methode
jedoch ausgesprochen nützlich. Hätte man ein mechanisches
Gerät zur stetigen Konstruktion der archimedischen
Spirale und benutzte dieses zusätzlich zu Zirkel und Lineal, so
könnte man jeden Winkel in jede beliebige Zahl gleich großer
Teile zerlegen.